Bericht der MT vom 22. Juli 2020

 

„Es bedarf Richtigstellung"

 

Zum Volksbegehren „Arten­vielfalt": Herr Tapken stellt in seinem Leserbrief vom 15. Juli Behauptungen zum „Volksbegehren Artenvielfalt" auf, die einer Richtigstellung bedürfen. Entgegen seiner Auffassung ist die Artenvielfalt tatsächlich weltweit bedroht, vor allem durch veränderte Land- und Meeresnutzung und direkte Ausbeutung. In Deutschland und Niedersachsen sieht es nicht viel anders aus. Deutlich wird das bei Vogelarten, die besonders gut un­tersucht sind. Die Bestände von mehr als 60 Prozent der Offen­landvögel, also der Arten, die in der Agrarlandschaft brüten, sind deutschlandweit rückläufig. In Niedersachsen sind die Bestände der Wiesenvögel Bekassine bzw. Uferschnepfe um mehr als 80 Prozent zurückgegangen. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Insekten: Eine Untersuchung der TU München aus dem Herbst 2019 hatte zum Ergebnis, dass zwischen 2008 und 2017 die Insektenmasse im Wald um durchschnittlich 41 Prozent und im Grünland um durchschnittlich 66 Prozent zurückgegangen ist. Diese wenigen Hinweise machen deutlich, dass die intensive Form der landwirtschaftlichen Nutzung zwar nicht die alleinige Ursache des Artenschwundes ist, aber doch eine der wesentlichen. Und es ist ja auch naheliegend: wenn Wiesen bereits Anfang Mai gemäht werden, haben viele Wiesenvögel schlicht keine Chance, ihre Jungen großzuziehen. Wenn Ackerschläge zusammengelegt werden, verschwinden Saumstrukturen, die besonders insektenreich sind. Besondere Bedeutung hat die Landwirtschaft natürlich auch deshalb, weil rund 60 Prozent der Flächen Niedersachsens landwirtschaftlich genutzt werden. Dem Artenschwund will das Volksbegehren entgegenwirken. Das Niedersächsische Naturschutz-, das Wasser- und das Waldgesetz sollen so geändert werden, dass die Vielfalt unserer Arten ausreichend Lebensraum finden. Konkret bedeutet das unter anderem den Schutz von Saumstrukturen wie Weg- und Feldraine, Hecken, Feldgehölze und Alleen, aber auch den Schutz wertvollen Grünlandes und der Wiesenbrüter sowie der Gewässerränder. Pestizideinsatz soll in Naturschutzgebieten untersagt und der Ökolandbau soll ausgebaut werden. Für Ertragseinbußen sind gesetzlich Ausgleichszahlungen für betroffene Landwirte vorgesehen, Fördermöglichkeiten werden erweitert. Und es geht im Volksbegehren keineswegs nur um die Landwirtschaft. Es geht auch um Wald- und Versiegelung: Eine naturverträgliche Bewirtschaftung des Landeswaldes wird vorgeschrieben, die Versiegelung soll bis 2030 von jetzt 7 Hektar auf 3 Hektar/Tag reduziert und ab 2020 nur mehr in dem Umfange zulässig sein, wie an anderer Stelle entsiegelt wird. Im Außenbereich sind zukünftig insektenfreundliche Beleuchtungen zu wählen, Himmelsstrahler werden verboten. Von einseitiger Schuldzuweisung an die Landwirtschaft kann also keine Rede sein. Die intensive Landwirtschaft ist im Übrigen Folge einer verfehl­ten Agrarpolitik, die auf Masse statt Klasse setzt, auf den Export abzielt und den einzelnen Land­wirt zwingt, immer intensiver zu wirtschaften. Auch hier muss angesetzt werden.

 

Michael Jäger Cloppenburg


Schwalben nisten in Falkenberg

Nordwest-Zeitung vom 11. Juli 2015

 

Schwalben nisten in Falkenberg

 

Nabu übergibt Plaketten an Familie Ambrus - Hervorragende Bedingungen

 

Eine Kindergruppe des Nabu Emsland Mitte besichtigte die Schwalbennester.

 

Am Auslaufbauwerk an der Thüsfelder Talsperre nisten auch Schwalben. Dafür gab es eine weitere Auszeichnung.

 

FALKENBERG/EB - Nähert man sich dem Anwesen der Familie Ambrus in Garrel-Falkenberg, fallen sofort die vielen Schwalben auf, die rundhe­rum über den Feldern nach Insekten jagen. „Es müssen über 400 sein", sagt Jutta Over vom Projekt „Schwalben will­kommen" des Naturschutz­bundes (Nabu). 52 Mehl­schwalbennester gibt es in­zwischen am Wohnhaus und zehn Rauchschwalbenpaare brüten in den Pferdeställen. In jedem belegten Nest wachsen durchschnittlich fünf Junge pro Brut heran, zwei Bruten sind es meistens im Jahr. „Eine so große Kolonie hat heute Seltenheitswert", freute sich die Biologin, die das Pro­jekt landesweit koordiniert. Die Bedingungen für die Schwalben bei Familie Am­brus seien ausgezeichnet. Es gibt einen blühenden Bauern­garten, außerdem Pferde und aller­hand Federvieh, so dass es an Insek­ten nicht mangelt.

 

Bewerbungen: Das Projekt wird von der niedersächsi­schen Bingo-Umwelt­stiftung gefördert. Weitere Infos gibt es im Internet unter http://niedersach-sen.nabu.de/aktionen/ schwalben oder beim Nabu Emsland/Grafschaft Bent­heim, 0 05931/4099630. Hier kann man sich auch um die Plakette bewerben, sowie eine Broschüre mit Bauanleitungen und Aktions­tipps anfordern.

 

Baumaterial für die Nester ho­len die Schwalben sich auf dem Reitplatz. Damit die schöne Fassade des Hauses nicht bekleckert wird, hat Isa­belle Ambrus rundherum Kot­brettchen angebracht, denn sogar direkt über der Haustür haben die Schwalben gebaut.

 

Diesen besonderen Bei­trag zum Artenschutz hat der Nabu zum Anlass ge­nommen, die Plakette „Hier sind Schwalben willkommen" zu ver­leihen. Darüber infor­mierte der Nabu am

Donnerstag. Mit der Plakette würdigt er Menschen, die den Vö­geln ein  Dach über dem Kopf gewäh­ren.

 

Jutta Over bedankte sich gemeinsam mit Luzia Land­wehr vom Nabu Cloppenburg bei Isabelle Ambrus außer­dem mit einer Urkunde.

 

„Schwalben sind darauf ange­wiesen, dass sie von den Men­schen in ihrer direkten Umge­bung toleriert werden", be­tonten die Naturschützerin­nen. Immer wieder würden Nester aus Angst vor Ver­schmutzung abgeschlagen, obwohl dies verboten sei.

 

Diese Aktion findet auch das Interesse des Bürgerver­eins Falkenberg. Vorsitzender Andreas von Höfen gratulierte mit einem Blumenstrauß.

 

In Garrel gibt es aber noch mehr Niststandorte: Auch am Auslaufbauwerk der Thülsfel­der Talsperre hatten Mehl­schwalben gebaut, aber die Nester waren an dem witte­rungsexponierten Standort im Winter abgefallen. Daher hat der Niedersächsische Landes­betrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Zusammenarbeit mit dem Nabu Kunstnester aufgehängt. Diese wurden von den Schwalben sofort an­genommen.

 

Freuten sich über Schwalbenansiedlungen (v.l.): Andreas von Höfen, Jutta Over, Dr. Isabelle Ambrus und Luzia Landwehr.                                                  Foto: Werner Landwehr

 

 

 

 

 

Münsterländische Tageszeitung vom 25. Juli 2015

 

Eisvogel mopst auch mal den Goldfisch

 

Vor 40 Jahren galt die Art in Deutschland noch als bedroht: Jetzt hat sich der kunterbunte Eisvogel sogar im Stadtgebiet von Cloppenburg sein Revier gesichert - bis in den Garten.

 

VON HUBERT KREKE

Cloppenburg. Wonach Vogelkundler im Morgengrauen lange suchen, bekam Klaus W praktisch zum Frühstück serviert: Als sich der Beamte morgens um Viertel vor sieben den ersten Kaffee einschenkte,landete draußen aufseiner Terrasse im Cloppenburger

Philosophen-Viertel der scheue Eisvogel zum Fischfrühstück im privaten Grün.

 

Der schillernde Gast mit dem auffällig glänzenden Rücken nahm auf dem Gartentisch Platz,

wo er den kleinen Teich des Hausherrn beäugte: Mit scharfem Blick erkennen Eisvögel

kleine Fische wie den Bitterling oder den Stichling auch unter Wasser, nehmen Maß und setzten zum Sturzflug an. Dass es diesmal einen seiner Goldfische erwischte, stört Klaus W. nicht: „Die habe ich da gar nicht selbst reingesetzt", erzählt der Cloppenburger: „Die gönn' ich dem Vogel." Zumal der sich abwechslungsreich auch von Kaulquappen und Insekten ernährt. Kenner und Laien werden für den kleinen Verlust an Zierfisch mit einer einmaligen Farbpracht entschädigt. Je nach Lichteinfall schillert das Gefieder des Eisvo-
gels kobaltblau bis türkisfarben, was ihn bei der Jagd tarnt. Denn seine Rückenfarben verschmelzen förmlich mit der glitzernden Wasseroberfläche.

Josef Schnötke kann den Anblick fast regelmäßig genießen. Der Cloppenburger Vogelex-perte des Naturschutzbundes (Nabu) beobachtet den Eisvogel seit Jahren im Stadtgebiet. Seine Einschätzung:„Die Bestände haben zugenommen." Die Begründung: der Klima-wandel. Wegen der relativ vielen milden Winter frieren die flachen Gewässer, in denen der Eisvogel fischt, selten zu. Häufig ist er an den Regenrückhaltebecken zu Gast, die sich zwischen der Umgehungsstraße im Westen und der Drüdingstraße im Osten erstrecken. Frieren sie doch einmal zu, weicht der Vogel nach Beobachtungen von Schnötke an die Soeste aus. Vom Mühlenteich streichen die Eisvögel den Fluss aufwärts durchs Museumsdorf bis zum Ambührener See. Hungernot herrscht erst, wenn der Eisvogel an den noch offenen Flüssen mit Reihern oder Kormoranen um die knappe Nahrung streiten muss: Da hat der kleine Jäger, nur wenig größer als ein Spatz, kaum eine Chance, erklärt der Hobby-Ornithologe.

Zum Brüten sucht der Eisvogel Höhlen an Steilufern. Wo ihm das in Cloppenburg gelingt,
ist offenbar ein streng gehütetes Geheimnis: Schnötke weiß angeblich garnichts darüber. Oder sagt es lieber nicht. Denn die Tiere haben es ohnehin schwer genug zu überleben.

Die Altvögel, die sich ein Leben lang treu bleiben, brüten zwar zweimal im Jahr. Doch 80
Prozent ihres Nachwuchses überlebt nicht. Die Jungvögel, die nach etwa 25 Tagen das Nest verlassen, streichen auf der Su-che nach einem eigenen Revier in ein paar Monaten bis zu 1000 Kilometerumher.70Prozentder. Elternvögel sterben innerhalb eines Jahres. Wenige Exemplare werden drei Jahre alt. Was ihnen hilft beim Überleben, sind reines Wasser, Bruthöhlen und gute Jagdmöglichkeiten. Schnötke rät deshalb dazu, Uferbe-pflanzungen nicht komplett abzumähen, sondern Ecken stehenzulassen,damit der Eisvogel einen Ansitz auf Zweigen finden kann. Die braucht er zum Anpeilen der Beute. Mitunter reicht auch ein Gartentisch, wie Klaus W. beobachtet hat.

Beim Bauhof der Stadt ist der Hobby-Ornithologe auf offene Ohren gestoßen. An der Soeste
beim Klärwerk wird nur noch stückweise gemäht - dem schillernden Gast zuliebe.

Eisvogel                                                                                      Foto: Wikipedia